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„Good morning, welcome und moin moin“

So eine Begrüßung kommt zustande, wenn sich eine Delegation der Universitäten Isfahan und Hamburg in den Glückstädter Werkstätten zum fachlichen Austausch über „Inklusion“ trifft.

„Good morning, welcome und moin moin“, begrüßte Anfang September Emanuel Gaenslen, Einrichtungsleitung der Glückstädter Werkstätten, die aus Hamburg angereiste Delegation. Der Besuch der Iraner und Hamburger gehört zum Projekt „Hochschuldialog zwischen Isfahan und Hamburg über Behinderung und Inklusion“. Vergangenes Jahr waren die Hamburger zwei Mal im Iran zu Besuch, dieses Jahr konnten sich die Professoren und Studierenden aus der Universität in Isfahan ein Bild von Inklusionsmöglichkeiten in Norddeutschland machen.

Zusammen mit der Dolmetscherin Negin Shah Hosseini erklärte Gaenslen den 23 Gästen zunächst einmal das Grundkonzept der diakonischen Arbeit, bevor er ausgiebig die Glückstädter Werkstätten mit all ihren Bereichen vorstellte – von Tagesförderstätten über betriebliche Berufsbildung in regionalen Betrieben bis hin zu möglichen Freizeitaktivitäten. „Es ist uns wichtig, auch außerhalb der Arbeit eine gute Bindung zu den Beschäftigten zu haben und gemeinsam etwas zu unternehmen.“, so Gaenslen. Als sich der Werkstatt- und Bewohnerbeirat vorstellte, machten sich die Iraner eifrig Notizen. „Einen direkten Ansprechpartner haben die Menschen mit Behinderungen in Isfahan meist nicht und wissen dann natürlich nicht an wen sie sich wenden sollen.“, sagte ein Studierender. Die zahlreichen Angebote und Integrationsmöglichkeiten lieferten auch eine gute Grundlage für die anschließende Gesprächsrunde – besonders die Arbeitsprojekte mit Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt sorgten für einen regen Austausch. „Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten hier in so vielen Bereichen Hand in Hand. Das ist ein tolles Konzept!“, ergänzt eine andere Studierende.

Wie funktioniert Inklusion in Isfahan?

„In Isfahan gibt es ähnliche Beschäftigungsangebote für Menschen mit Behinderungen“, berichtete Dr. Amrollah Ebrahimi, Projektverantwortlicher auf der iranischen Seite. „Die beschränken sich allerdings auf die Betreuung und Tagesstruktur-Gestaltung.“ Schulen, Fördervereine, Tagesstätten und ein barrierefreier Zugang zu Universitäten seien dort ähnlich wie in Hamburg. „Uns ist wichtig, dass auch Menschen mit Handicap einen ungehinderten Zugang zu Universitäten und die Möglichkeit zum Studieren haben“, fügte Ebrahimi hinzu. Eine Möglichkeit der Integration im Arbeitsleben gäbe es dort jedoch nur in Form von vereinzelten künstlerischen Tätigkeiten, z. B. Töpfern.

Nach der Begrüßung startete der Rundgang im Hauptsitz und der Betriebsstätte Glückwerk: Das Ladengeschäft, die Floristik, das Fahrradgeschäft Stroomrad und die Montage – in jedem Bereich drängten sich die Besucher neugierig in die Räume und schauten den Beschäftigten beim Arbeiten über die Schulter. Einer von ihnen erzählte sogar, dass er bald ein Praktikum in der Verwaltung im öffentlichen Dienst machen könne und sich schon darauf freue. Kaum hatte die Dolmetscherin dies übersetzt, gab es eine Runde Applaus und einer der iranischen Professoren wünschte ihm mit einem breiten Lächeln „Good luck!“. Bereichsleiterin Ute Först stellte dann abschließend den EDV-Bereich von Boje vor. Dort können Menschen mit psychischen Erkrankungen an geschützten Arbeitsplätzen wieder in das Arbeitsleben einsteigen und kümmern sich zum Beispiel um die digitale Datenarchivierung. „Bei uns wird da jeder in dem gefördert, was er an Kompetenzen mitbringt. Wir haben hier sowohl Quereinsteiger als auch gelernte Profis – da hilft jeder jedem.“

„Gemeinsam miteinander“

Bevor sich der Besuch von den Glückstädter Werkstätten verabschiedete, gab es noch einen letzten Punkt auf der Agenda seitens der Iraner. Denn wie es dort Brauch ist, gibt es zur Verabschiedung noch Gastgeschenke: Dr. Ebrahimi überreichte Emanuel Gaenslen eine traditionelle iranische Süßspeise sowie einen Schmuckteller, der von Menschen mit Behinderungen im Iran handgefertigt wurde.

Abgerundet wurde der Besuch für die Delegation im Glückstädter Rathaus, wo sie von Bürgermeisterin Manja Biel und Inklusionsbeauftragte Sigrun Wiecha zu einer Gesprächsstunde eingeladen waren. Manja Biel erzählte unter anderem von den vielen Inklusionsprojekten der Stadt. „Für uns lautet hier die Devise „Gemeinsam miteinander und aufeinander achten“. Die Glückstädter Werkstätten sind dabei eine wertvolle Kraft – sie prägen ein Stück weit unser Stadtbild.“

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