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Neue Perspektive für die Berufliche Bildung

Seit Oktober 2016 sind die Ausbildungsverbünde der NGD-Gruppe in der Gesellschaft „Perspektive Bildung“ zusammengeführt. Die zentralen Ziele: Strukturen vereinheitlichen, Synergien zwischen den Verbünden schaffen und die eigene Leistung im Wettbewerb erfolgreicher präsentieren.

Diese Neuordnung ist das Ergebnis eines gut zweieinhalb Jahre dauernden Prozesses, der Anfang 2014 gestartet wurde. Hinter Mitarbeitenden und Einrichtungsleitung liegt eine bewegte Zeit geprägt von Unsicherheit und Existenzängsten, aber auch von engem Zusammenhalt, starker Identifikation und ersten Erfolgen der neuen Unternehmensstruktur.

„Ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern, an dem wir von der bevorstehenden Umstrukturierung erfahren haben“, sagt Kirsten Heide. Die 58-Jährige ist Ausbilderin im Bereich Hauswirtschaft im Ausbildungsverbund Flensburg, der mittlerweile mit den anderen Ausbildungsverbünden der NGD-Gruppe unter dem gemeinsamen Dach der Perspektive Bildung firmiert. Diese Entscheidung wurde den Mitarbeitenden im Bereich der Beruflichen Bildung Anfang 2014 mitgeteilt. „Auf einer außerplanmäßigen Mitarbeiterversammlung wurde uns verkündet, dass sich die Geschäftsleitung dazu entschlossen habe, einige Änderungen durchzuführen“, sagt Kirsten Heide. „Im Anschluss an die Veranstaltung bin ich dann ganz normal wieder arbeiten gegangen.“

Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen brauchte auch die Expertin für Diätassistenz und Ernährungsberatung zunächst etwas Zeit, um diese Information zu verarbeiten. „Den meisten ist erst ein paar Tage später bewusst geworden, was hier eigentlich gerade passiert“, erinnert sie sich. Die allgemeine Stimmung hat sie dennoch als nicht besonders gedrückt in Erinnerung: „Wahrscheinlich, weil viele schon etwas geahnt haben.“ Denn Zeichen für bevorstehende Veränderungen seien schon sichtbar gewesen: Neben einem Wechsel der Einrichtungsleitung hätten zum Beispiel auffällig viele Termine im Hauptsitz der NGD-Gruppe stattgefunden, an denen auch die Mitarbeitervertretung beteiligt war. „Gerade langjährige Mitarbeiter entwickeln ein Gespür dafür, wenn etwas anders läuft als sonst“, ist Kirsten Heide überzeugt.

Andrea Lohmann hatte keine Vorahnung: „Für mich kam die Ankündigung damals wie aus dem Nichts“, sagt die Ausbilderin für Hauswirtschaft im Ausbildungsverbund Rendsburg-Eckernförde. „Ich war noch nicht so lange im Betrieb“, erinnert sich die 50-Jährige, „deshalb waren wahrscheinlich alle anderen geschockter als ich.“ Besonders relevant für die Mitarbeitenden am Standort Rendsburg-Eckernförde: Die neue Dachorganisation ist in die Region Nord mit den Standorten Flensburg, Kiel und Rendsburg-Eckernförde und die Region Süd mit Neumünster und Stormarn-Lauenburg unterteilt.

Ausbilderin Andrea Lohmann

„In Neumünster hatte damals unsere Standortleitung ihren Sitz“, erklärt Andrea Lohmann. „Dass die dann mit sofortiger Wirkung nicht mehr für Rendsburg-Eckernförde zuständig war, hat uns schon sehr überrascht.“ Denn bis dahin wurden die Verwaltungsprozesse in Rendsburg-Eckernförde komplett über Neumünster abgewickelt: von einzelnen Kassenabrechnungen bis zur Urlaubsplanung. Plötzlich gab es also viele offene Fragen. „Dass diese Umstellung ein langer Prozess wird, wussten wir damals noch nicht“, sagt Andrea Lohmann. „Zunächst hörte sich das alles sehr ad hoc an.“ Im Nachhinein gab es allerdings eine Übergangsfrist, während der viele der gewohnten Abläufe erst einmal beibehalten und schließlich Schritt für Schritt angepasst wurden.

„Wir haben uns bemüht, den gesamten Prozess für die Mitarbeitenden so reibungslos und transparent wie möglich zu gestalten“, sagt Wiebke Stengel-Muhl. Die Geschäftsführerin der Perspektive Bildung Region Nord ist als Einrichtungsleiterin verantwortlich für die Standorte Flensburg, Kiel und Rendsburg-Eckernförde. „Den Mitarbeitenden haben wir versucht, in vielen Einzelgesprächen ihre Ängste zu nehmen.“ Was kommt auf mich zu? Werde ich durch die Umstrukturierung finanzielle Einbußen haben? Verliere ich vielleicht sogar meinen Arbeitsplatz? Das waren die häufigsten Fragen, die die Menschen umtrieben.

Einrichtungsleiterin Wiebke Stengel-Muhl

Wiebke Stengel-Muhl verfolgte eine Strategie der offenen Tür und versuchte, für alle Mitarbeitenden eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. „Ohne Vorbehalte über Sorgen, Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen, macht das Miteinander leichter“, sagt die Einrichtungsleiterin und hat damit bei ihren Mitarbeitenden offenbar einen Nerv getroffen: „In den Gesprächen im Rahmen der Neuausrichtung habe ich eine Offenheit erlebt, die ich in meinem Arbeitsumfeld vorher nicht gekannt hatte“, erinnert sie sich.

Für Kirsten Heide war ein persönliches Gespräch zur Umstrukturierung nicht nötig: „Ich fühlte mich über die offiziellen Kanäle gut informiert“, sagt sie und ergänzt: „Das ist aber sicher auch eine Typ-Frage. Ich bin generell ein sehr positiver Mensch und habe keine Angst vor Veränderungen.“ Verständnis für die Neuausrichtung haben beide Ausbilderinnen: „Natürlich kann ich nachvollziehen, dass sich etwas verändern muss, wenn die Berufliche Bildung der NGD-Gruppe wirtschaftlich unter Druck steht“, sagt Andrea Lohmann. „Der Versuch einer Neuausrichtung ist immer besser, als die Schließung des Bereichs.“

Kirsten Heide sieht das ähnlich: „Ich denke, diese Umstrukturierung war absolut notwendig, um viele Arbeitsplätz erhalten zu können.“ Persönlich belastet hat sie die Entwicklung nicht. „Veränderungen gehören zum Leben dazu“, sagt sie und zuckt lächelnd mit den Schultern. „Und wenn es so weit ist, muss man sich eben entscheiden: Gehe ich den veränderten Weg mit oder orientiere ich mich neu?“ So entspannt waren nicht alle: „Ich weiß, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen sehr schwergetan haben“, sagt die Ausbilderin aus Flensburg. „Aber wir haben uns alle gegenseitig unterstützt und Mut zugesprochen.“ Dass die Stimmung unter den Mitarbeitenden in dieser Phase nicht die beste war, hält Kirsten Heide für normal: „Das bringt jede Veränderung mit sich. Und wenn man mit Einsparungen rechnet, weckt das schnell persönliche Ängste.“

Ausbilderin Kirsten Heide

Wie zum Beispiel bei Andrea Lohmann: „Ich bin zwar auch grundsätzlich positiv eingestellt, aber ganz so locker wie Frau Heide habe ich die Situation nicht gesehen“, sagt die 50-Jährige ganz offen. „Ich hatte tatsächlich Ängste, wie es weitergehen soll.“ Anderen ging es ähnlich: „Bei Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen waren insbesondere drohende Lohnkürzungen das beherrschende Thema“, erinnert sie sich. Verständlich vor dem Hintergrund, dass einige Mitarbeitende der Beruflichen Bildung bereits vor einigen Jahren finanzielle Einbußen hinnehmen mussten.

Entlassungen gab es zwar keine, aber einige Mitarbeitende nutzten die Umstrukturierung, um sich beruflich neu zu orientieren. Ein Kollege wechselte zum Beispiel den Arbeitgeber, um näher an seinem Wohnort tätig zu sein. Andere übernahmen neue Aufgaben innerhalb der NGD-Gruppe. Und wieder andere wagten einen kompletten Neuanfang und verließen das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Die Arbeitssituation von Andrea Lohmann und Kirsten Heide hat sich durch die Neuausrichtung nicht zum Negativen verändert. „Trotzdem hatte ich mir natürlich Gedanken gemacht, was im Fall der Fälle passieren könnte“, sagt Andrea Lohmann. „Ich hänge sehr an meiner Arbeit und auch die Kolleginnen und Kollegen sind mit großem Engagement und viel Herzblut dabei, damit das Angebot der Beruflichen Bildung innerhalb der NGD-Gruppe erhalten bleibt. Die schwierige Situation hat uns auch enger zusammengeschweißt.“

Auf die Ausbildung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatte die Neuausrichtung keine negativen Auswirkungen, sind sich die beiden Ausbilderinnen einig. „Ich glaube, dass die Jugendlichen in Flensburg von den Veränderungen weder direkt betroffen noch beeinträchtigt gewesen sind“, sagt Kirsten Heide. Und Andrea Lohmann pflichtet ihrer Kollegin bei: „In Rendsburg-Eckernförde gab es zwar auch Personalwechsel, die uns gegenüber den Jugendlichen schon manches Mal in Erklärungsnot gebracht haben“, sagt sie. „Aber die internen Veränderungen, die dahinter standen, haben den Unterrichtsbetrieb zu keiner Zeit gestört.“

Geschäftsführer Henrik Meyer

Ein erster zarter Erfolg der Neuausrichtung deutet sich bereits an: „Wir bekommen zunehmend neue Aufträge“, freut sich Wiebke Stengel-Muhl. Das ist wahrscheinlich auch ein Verdienst der neu gegründeten speziellen Ausschreibungsteams. Die entwickeln unter anderem aussagekräftige Formulierungen, damit nicht nur die nackten Zahlen sprechen, sondern auch die besondere inhaltliche Qualität des Angebots der Perspektive Bildung stärker betont wird. Eine Herangehensweise, die offenbar immer mehr Auftraggeber zu schätzen wissen. Trotz aller positiver Vorzeichen, bleibt die Einrichtungsleiterin vorsichtig: „Wir überprüfen regelmäßig sehr selbstkritisch, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.“ Wenn das weiterhin gelingt, hat die Berufliche Bildung in der NGD-Gruppe auch langfristig wieder eine gute Perspektive.

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