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In der Ausbildung nach Estland

Handwerker-Nachwuchs vom ausbildungsverbund eckernförde in Tartu/ Estland

Einmal ganz auf die andere Seite der Ostsee: Sechs Auszubildende vom ausbildungsverbund eckernförde (aves) arbeiteten drei Wochen in Tartu/ Estland. In dem LEONARDO-Projekt bauten die angehenden Werker im Trockenbau Hundehütten für das dortige Tierheim.

Dabei arbeiteten die Deutschen Hand in Hand mit sechs estnischen Auszubildenden. Für diesen Austausch konnte der aves das größte Berufsbildungszentrum (BBZ) in Estland als Kooperationspartner gewinnen: Am Kutsehariduskeskus Tartu bereiten etwa 200 Lehrkräfte ihre gesamt 3500 Schüler und Schülerinnen auf das Berufsleben vor.

„Durch das Arbeiten im Ausland erleben unsere Auszubildenden, dass sie auch in einem ungewohnten Umfeld ihre Stärken zeigen können“, freut sich Einrichtungsleiterin Karen Jensen über die erfolgreichen Austauschprojekte des aves. Bereits seit 2001 bietet der aves seinen Gastronomie-Auszubildenden einen Frankreich-Austausch an. „Jetzt haben wir unsere Mobilitäts-Projekte auch für eine andere Berufsgruppe erweitert.“

Volkstanz und Whiteboard

Warum Estland, warum Tartu? „Als ich letztes Jahr ein paar Monate in Tartu gelebt habe, war ich beeindruckt von diesem Land, das auf der einen Seite viele alte Traditionen lebendig hält und auf der anderen Seite unheimlich innovativ ist“, so Stefanie Tennro vom aves. „Unsere Werker im Trockenbau haben das genauso erlebt: Bei einem Fest waren sie bei Volkstänzen auf der gesperrten Hauptstraße dabei, im Ausbildungsalltag haben sie die Whiteboards und modernen Maschinen in der Schule genutzt.“

In den drei Wochen entstanden in der Holzwerkstatt des Kutsehariduskeskus Tartu zwei Hundehütten für das Tierheim Tartu. „Dabei lernte der Handwerker-Nachwuchs nicht nur klassische Steckverbindungen, sondern auch den Umgang mit Maschinen sowie Dämmung von Wänden und Dachverkleidungen“, berichtet Dachdeckermeister Michael Wagner (aves) aus dem estnischen Ausbildungsalltag. Außer den Praxis-Einheiten standen auf dem Austauschprogramm noch Betriebsbesichtigungen bei einem Marktführer für Fertighäuser und einem Betonwerk. Stefanie Tennro hat zudem mit ihrer estnischen Kollegin Jana Trolla einen deutsch-estnischen Tandemsprachkurs für den Handwerker-Nachwuchs organisiert: „Die Jungs haben sich gegenseitig in beiden Sprachen neue Ausdrücke vorgelesen und konnten sich so auch als Sprachlehrer erleben.“ Höhepunkte waren an den Wochenenden die Ausflüge nach Tallinn und zur riesigen Burgruine in Viljandi, eine Festung des Deutschen Ordens.

Gemeinsame Geschichtsspuren

Höhepunkte waren an den Wochenenden die Ausflüge nach Tallinn und zur riesigen Burgruine in Viljandi, eine Festung des Deutschen Ordens. Überhaupt sind die Schleswig-Holsteiner immer wieder auf gemeinsame deutsch-estnische Geschichtsspuren gestoßen. „In Tallinn fiel gleich die Ähnlichkeit zu Lübeck auf. Und die Jungs waren überrascht, wie viele deutsche Handwerksvokabeln es auch im estnischen gibt: der „maaler“ ist der Maler, der „beitel“ ist der Beitel…“, hat Stefanie Tennro die Spurensuche der jungen Handwerker begleitet.

Was hat die deutschen Lehrlinge noch überrascht? Die Ausbildung läuft vor allem nur in der Schule ab, ergänzt durch einige Betriebspraktika. Eine duale Berufsausbildung mit den beiden Lernorten Betrieb und Schule gibt es nicht. Die Deutschen waren auch erstaunt, dass die Esten gar kein Geld während ihrer Ausbildung verdienen und dass viele Auswärtige drei Jahre lang im Schulwohnheim in Drei-Bett-Zimmern wohnen.

Stefanie Tennro

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