Dissertation von Lisa Schreieder

Dipl. Soz. Päd (FH), Dipl. Päd. (Uni)   
Werkstätten Materialhof (NGD)

Pädagogisches Handeln in sozialpsychiatrischen Einrichtungen ist oft mit Unsicherheiten und unterschiedlichen Sichtweisen verbunden.
Aussagen wie „Hauptsache ich kann zu meinem Handeln stehen“ oder „bei diesem schwierigen Borderliner, da gibt es doch kein richtiges oder falsches Verhalten“ sind mir in meinem Berufsalltag in einer Werkstatt für Menschen mit psychischen Behinderungen schon öfters begegnet.
Gleichzeitig gibt es immer mehr Fachliteratur, die auf Professionalisierung drängt und Handlungsmethoden bzw. Leitstrategien der Sozialen Arbeit wie Empowerment, Ressourcenorientierung oder Fallmanagement fordert.

Was aber gilt in einem sozialpsychiatrischen Arbeitsfeld als pädagogisch professionell? Welche Kompetenzen muss sich eine Fachkraft aneignen um den Arbeitsalltag und insbesondere Krisensituationen gut zu meistern? Welche Rolle spielen Faktoren, die der Fachkraft zuzuordnen sind, wie z.B. Fachwissen, ein bestimmtes Menschenbild, Haltungen, Bereitschaft zur Supervision, Methodenkenntnis und Faktoren die dem Klientel zuzuordnen sind wie Diagnosen und Schwierigkeiten im Umgang mit Nähe und Distanz ?
Und wie wird das professionelle Handeln durch die Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Einführung der Hilfeplanung  beeinflusst?
Welchen Stand hat die Professionalisierung in diesem Arbeitsfeld bereits erreicht?

Um im Rahmen meiner Dissertation diesen Fragenkomplex zu erörtern, wurden fünf Experten und zwanzig Basisfachkräfte innerhalb der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie anhand eines Leitfragenkataloges zum sozialpsychiatrischen Arbeitsfeld ‚Betreutes Wohnen’ befragt. Die Interviews werden in Verbindung mit der aktuellen Professionalisierungs-debatte in der Sozialen Arbeit ausgewertet und die Ergebnisse sollen Empfehlungen für Theorie und Praxis darstellen.